Eintauchen in Jahrhunderte Musikgeschichte

Mit ihrer seit 1570 bestehenden Tradition zählt die Staatskapelle Berlin zu den ältesten Orchestern überhaupt. Seit nunmehr rund viereinhalb Jahrhunderten hat das Ensemble, das im Laufe seiner langen, ereignisreichen Geschichte vielfache Wandlungen erlebt hat, das Musikleben Berlins wesentlich geprägt. Die Staatskapelle Berlin, als Kurbrandenburgische Hofkapelle von den Hohenzollern gegründet und als Königlich Preußische Hofkapelle seit 1742 dem neu errichteten Opernhaus Unter den Linden verbunden, ist sowohl ein Theater- als auch ein Konzertorchester: Bei Opern- und Ballettaufführungen tritt der Klangkörper ebenso in Erscheinung wie bei Sinfonie- und Kammerkonzerten. Der hohe künstlerische Rang der Staatskapelle Berlin, deren Entwicklung durch das Wirken einer einzigartigen Reihe prominenter Dirigenten befördert wurde, erweist sich auch durch regelmäßige Einladungen in die Musikzentren der Welt und durch eine kontinuierliche Aufnahmetätigkeit. Neben der intensiven Beschäftigung mit den großen Werken des klassisch-romantischen Repertoires widmen sich die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle Berlin auch der Barockmusik, der Klassischen Moderne sowie der zeitgenössischen Musik, mit einem breiten stilistischen Spektrum. Seit 1992 steht Daniel Barenboim als Generalmusikdirektor an der Spitze der Staatskapelle Berlin. Gemeinsam mit dem Orchester hat er eine Vielzahl von viel beachteten zyklischen Projekten verwirklicht, u. a. Darbietungen der großen Wagnerschen Opern und Musikdramen, der Opern und Orchesterwerke Alban Bergs sowie Komplettaufführungen der Sinfonien von Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Bruckner und Mahler. Das 2020 anstehende 450-jährige Jubiläum der Staatskapelle Berlin wird noch einmal den besonderen kulturellen Stellenwert des Orchesters im nationalen wie internationalen Maßstab neu zu Bewusstsein bringen.

1570
Der brandenburgische Kurfürst Joachim II. Hektor erlässt eine Ordnung der Berliner Hofkapelle, die als Gründungsdokument des Ensembles gilt.

1572
Mit Johann Wesalius ist ein erster Kapellmeister namentlich dokumentiert.

1580
Kurfürst Johann Georg setzt eine neue, detailliertere Kapellordnung in Kraft. Die Berliner Hofkapelle umfasst zu diesem Zeitpunkt zwölf Sänger sowie sechs Instrumentalisten.

1608
Johannes Eccard, einer der prominentesten Komponisten seiner Zeit, wird als Kapellmeister nach Berlin berufen, darüber hinaus wird er auch zum Domkantor bestellt.

1611
Nach dem Tod Eccards beruft Kurfürst Johann Sigismund mit Nikolaus Zangius einen Brandenburger Landesbürger an die Spitze der Berliner Hofkapelle. Unter seiner Leitung erhöht sich die Zahl der Musiker auf 30, inzwischen mehrheitlich Instrumentalisten.

1619
Für ein Jahr amtiert der prominente englische Gambist und Komponist William Brade als Hofkapellmeister.

1648
Infolge des für die Mark Brandenburg verheerenden Dreißigjährigen Krieges wird die Berliner Hofkapelle stark dezimiert. Unter dem »Großen Kurfürsten« Friedrich Wilhelm I. erfolgt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein neuer Aufschwung.

1680
Die Musiker der Berliner Hofkapelle werden sozial und finanziell deutlich bessergestellt. Sie erhalten das Recht, sich »Cammer-Musicanten« zu nennen.

1684
Im Berliner Schloss finden unter Beteiligung der Hofkapelle die ersten Opernaufführungen statt.

1701
Bei der Krönung von Kurfürst Friedrich zum ersten »König in Preußen« spielen Musiker der Berliner Hofkapelle in Königsberg. Das Ensemble besteht nunmehr aus rund drei Dutzend Instrumentalisten, darunter Attilio Ariosti, Giovanni Bononcini und Jean Baptist Volumier.

1713
Friedrich Wilhelm I., der »Soldatenkönig«, löst nach seiner Thronbesteigung die Berliner Hofkapelle weitgehend auf. Lediglich ein kleines Militärmusikensemble verbleibt im Dienst.

1732
Kronprinz Friedrich, der spätere König Friedrich II., versammelt in seiner Residenz Ruppin eine Reihe von Musikern um sich, die den Kern der späteren neuen Königlich Preußischen Hofkapelle bilden.

1736
Im märkischen Rheinsberg, das sich unter Friedrich zu einem Musenhof entwickelt, werden weitere Musiker für die kronprinzliche Kapelle verpflichtet; neben den Brüdern Graun und Benda auch Carl Philipp Emanuel Bach, der 1738 als Cembalist aufgenommen wird.

1740
Nach seiner Thronbesteigung beauftragt Friedrich II. den Architekten Georg Wenzeslaus Knobelsdorff, ein Opernhaus Unter den Linden zu errichten, als erstes freistehendes Gebäude seiner Art und als erstes Bauwerk des neu entstehenden Forum Fridericianum.

1742
Die königlich-preußische Hofkapelle findet im neuen Opernhaus Unter den Linden ihr Zuhause. Zur Eröffnung wird »Cleopatra e Cesare«, komponiert von Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun, gegeben. Die Hofkonzerte leitet Johann Joachim Quantz, der Flötenlehrer Friedrichs II.

1755
Mitglieder der Hofkapelle sind bei der Erstaufführung von Carl Heinrich Grauns Passionsoratorium »Der Tod Jesu« beteiligt. Das Werk wird jährlich regelmäßig dargeboten, als wichtiger Bestandteil der bürgerlichen Musikpflege.

1775
Johann Friedrich Reichardt wird von Friedrich II. zum Hofkapellmeister berufen.

1783
Eine erste Konzertserie, konzipiert und dirigiert von Reichardt wird etabliert. Vorbilder sind die Pariser »Concerts spirituel« sowie die Leipziger Gewandhauskonzerte.

1786
Händels »Messias« erlebt im Dom seine Berliner Erstaufführung, unter Beteiligung von Musikern der Hofkapelle.

1796
Die Hofkapelle veranstaltet ein Benefizkonzert zugunsten von Mozarts Witwe Konstanze.

1799
Mit Haydns Oratorium »Die Schöpfung« wird ein weiteres zentrales Werk der musikalischen Klassik mit Mitgliedern der Hofkapelle erstmals in Berlin präsentiert.

1800
Die Hofkapellmeister Vincenzo Righini und Johann Heinrich Himmel erwirken bei König Friedrich Wilhelm III. die Gründung eines Fonds zugunsten der Witwen und Waisen von Musikern der Hofkapelle, zugunsten dessen jährlich mehrere Konzerte organisiert werden.

1806
Nach Preußens Niederlage gegen Napoleon werden vorerst keine Vorstellungen in der Hofoper mehr gegeben. Die Hofkapelle wird verkleinert, spielt aber weiterhin im Nationaltheater am Gendarmenmarkt.

1811
Infolge des Zusammenschlusses von Hofoper und Nationaltheater zu den »Königlichen Schauspielen« vereinigt sich die Hofkapelle mit dem Orchester des Nationaltheaters.

1816
Unter der Leitung von Konzertmeister Carl Moeser beginnt die kontinuierliche Beethoven-Pflege der Hofkapelle. Sowohl kammermusikalisch als auch in Sinfoniekonzerten werden die Werke der Wiener Klassiker systematisch erschlossen.

1820
Gasparo Spontini wird erster preußischer »General-Music-Director«, nachdem Versuche, Carl Maria von Weber an die Berliner Hofoper zu verpflichten, gescheitert sind. Während der 21-jährigen Amtszeit von Spontini erhöht er die Zahl der Orchestermitglieder auf 94, ebenso steigert er die Qualität des Orchesters spürbar.

1821
Carl Maria von Webers Oper »Der Freischütz« wird im neu erbauten Schinkelschen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Es spielt die Berliner Hofkapelle.

1826
Spontini leitet das erste der künftig regelmäßig stattfindenden Bußtagskonzerte der Hofkapelle zugunsten des »Spontini-Fonds« für in Not geratene Kapellmitglieder. Carl Moeser dirigiert erstmals Beethovens 9. Sinfonie in einem Berliner Sinfoniekonzert.

1829
Mitglieder der königlichen Hofkapelle sind gemeinsam mit der Sing-Akademie an der ersten Aufführung von Bachs »Matthäuspassion«im 19. Jahrhundert beteiligt. Der junge Felix Mendelssohn Bartholdy leitet diese musikgeschichtlich hochbedeutsame Wiederentdeckung.

1832/33
Felix Mendelssohn Bartholdy wird als Dirigent dreier Sinfoniekonzerte der Hofkapelle verpflichtet, in denen u. a. seine »Reformationssinfonie« sowie die Kantate »Die erste Walpurgisnacht« uraufgeführt werden.

1842
Mit der ersten »Symphonie-Soiree« beginnen die regelmäßigen Sinfoniekonzerte der Hofkapelle in Berlin. Sie werden in diversen Spielstätten abgehalten, etwa im Haus der Sing-Akademie und im Schinkelschen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Carl Wilhelm Henning und Gottfried Wilhelm Taubert leiten die Konzerte zugunsten des Witwen-und-Waisen-Fonds. Der europaweit renommierte Opernkomponist Giacomo Meyerbeer wird zum neuen Generalmusikdirektor der Hofoper berufen.

1843
In der Nacht vom 18. zum 19. August brennt das Opernhaus bis auf die Grundmauern ab. Felix Mendelssohn Bartholdy übernimmt für ein Jahr die meisten der »Sinfonie-Soireen« der Königlichen Kapelle.

1844
Richard Wagner dirigiert im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt die Berliner Erstaufführung seines »Fliegenden Holländer«. Am Ende des Jahres eröffnet das wieder aufgebaute Haus Unter den Linden mit der Uraufführung von Meyerbeers »Ein Feldlager in Schlesien«.

1848
Otto Nicolai wird als Hof- und Domkapellmeister nach Berlin berufen. 1849 dirigiert in der Hofoper die Uraufführung seiner »Lustigen Weiber von Windsor«.

1858
Die Sinfoniekonzerte der Hofkapelle, zumeist von Gottfried Wilhelm Taubert geleitet, finden von nun an im Konzertsaal der Hofoper statt, dem heutigen Apollosaal.

1875
Kapellmeister Robert Radecke, der zwischen 1883 und 1886 die Kapell-Soireen leiten wird, dirigiert die Berliner Erstaufführung von Verdis »Messa da Requiem«.

1888
Mit Joseph Sucher wird ein ausgewiesener Wagner-Dirigent Berliner Hofkapellmeister; bis 1891 leitet er auch die Sinfoniekonzerte.

1890
Neuer Spielort der »Symphonie-Abende« der Hofkapelle ist aufgrund des gestiegenen Interesses der große Saal der Hofoper Unter den Linden.

1892
Felix von Weingartner ist der neue Hauptdirigent der Sinfoniekonzerte. Bis 1908 entwirft und verwirklicht er zahlreiche Programme mit der Berliner Hofkapelle.

1898
Richard Strauss wird Hofkapellmeister, ab amtiert er als 1908 Generalmusikdirektor. Mehr als 1.000 Mal wird er das Orchester bei Opern- und Konzertaufführungen dirigieren. In Nachfolge Weingartners ist er bis 1920 der prägende Dirigent der Sinfoniekonzerte.

1918/19
Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches geht die Trägerschaft der Hofkapelle auf das Land Preußen über. Das Orchester heißt fortan Staatskapelle Berlin.

1920
Für zwei Jahre dirigiert Wilhelm Furtwängler die Sinfoniekonzerte. Unter der Intendanz des Komponisten und Dirigenten Max von Schillings (bis 1925 im Amt) beginnt der künstlerische Höhenflug von Staatsoper und Staatskapelle.

1922/23
Die Sinfoniekonzerte der Staatskapelle stehen unter wechselnder Leitung von Hermann Abendroth, Bruno Walter und Fritz Busch.

1923
Der neu berufene Generalmusikdirektor Erich Kleiber dirigiert am 5. Dezember sein erstes Sinfoniekonzert. Die Uraufführung von Alban Bergs »Wozzeck« unter Kleibers Leitung 1925 wird zu einem Meilenstein der Kulturgeschichte der Weimarer Republik.

1927
Mit Otto Klemperer wird ein weiterer herausragender Dirigent als Generalmusikdirektor nach Berlin verpflichtet. Er übernimmt die Staatsoper am Platz der Republik (die sogenannte »Krolloper«) mit einem eigenständigen Ensemble von Solisten, Chor und Orchester. Mit der Staatskapelle realisiert er zahlreiche viel beachtete sinfonische Programme, wobei er sich neben Neudeutungen klassisch-romantischer Werke auch für die zeitgenössische Musik einsetzt.

1933
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden zahlreiche jüdische Solisten, Dirigenten und Orchestermusiker in die Emigration getrieben. Wilhelm Furtwängler wird zum Operndirektor ernannt.

1934
Erich Kleiber dirigiert die Uraufführung von Bergs »Lulu-Suite«, kurz darauf emigriert er. Wilhelm Furtwängler, der sich im Zuge der Diskussionen um den »Fall Hindemith« für seine Künstlerkollegen eingesetzt hat, legt sein Amt als Operndirektor nieder.

1935
Für ein Jahr amtiert Clemens Krauß als Generalmusikdirektor.

1936
Johannes Schüler wird an die Staatsoper berufen. Gemeinsam mit Staatskapellmeister Robert Heger wird er einen Großteil des Repertoires dirigieren und vor und nach 1945 auch zahlreiche Konzerte leiten.

1938
Herbert von Karajan dirigiert erstmals im Opernhaus Unter den Linden. Durch Berichte vom »Wunder Karajan« erfährt seine Karriere einen starken Aufschwung.

1940
Herbert von Karajan dirigiert bis 1945 die Sinfoniekonzerte der Staatskapelle. Er wird zum Generalmusikdirektor berufen.

1942
Zur Wiederöffnung des im Vorjahr durch Bombenangriffe zerstörten Opernhauses Unter den Linden leitet Wilhelm Furtwängler eine Aufführung von Wagners »Meistersinger von Nürnberg«.

1945
Die Lindenoper wird am 3. Februar abermals zerstört. Die letzten Sinfoniekonzerte während des Krieges finden an verschiedenen Spielstätten, u. a. im Schauspielhaus, statt.
Nur wenige Wochen nach der »Stunde Null« tritt die Staatskapelle unter der Intendanz von Ernst Legal wieder mit Konzerten in Erscheinung. Am 30. Juni beginnt die »Deutsche Staatsoper Berlin« im Admiralspalast an der Friedrichstraße mit ihrem Spielbetrieb im zerstörten Berlin, zunächst mit Konzerten und gemischten Opern-Sinfonie-Programmen. Ab September werden auch wieder reguläre Opernvorstellungen gegeben, ab Oktober reguläre Sinfoniekonzerte.

1947
Wilhelm Furtwängler kehrt für einige wenige Opernaufführungen und Konzerte an die Staatsoper zurück. Gemeinsam mit Yehudi Menuhin gestaltet er ein Benefizkonzert zugunsten der Jüdischen Gemeinde in Berlin.

1948
Joseph Keilberth wird als Kapellmeister an die Staatsoper und die Staatskapelle verpflichtet, bleibt jedoch nur bis 1952 am Haus. Die Suche nach einem international prominenten Generalmusikdirektor wird zu einer wichtigen Aufgabe für Kulturpolitik und Intendanz.

1951
Erich Kleiber dirigiert erstmals wieder seit den 1930er Jahren an der Staatsoper, ebenso leitet er einige Sinfoniekonzerte der Staatskapelle. Bei den maßgeblichen Stellen fordert er den Wiederaufbau der Lindenoper und übernimmt ab 1953 wieder den Posten des Generalmusikdirektors.

1954
Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg gehen Staatsoper und Staatskapelle Berlin wieder auf Gastspielreise. In Paris spielen sie sechs Opernvorstellungen sowie ein Sinfoniekonzert.

1955
Nach Konflikten mit den politischen Amtsträgern tritt Erich Kleiber als künstlerischer Leiter der Staatsoper zurück. An seiner Stelle wird Franz Konwitschny zum geschäftsführenden Generalmusikdirektor ernannt. Am 4. September dirigiert Konwitschny die Eröffnungspremiere (Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg«) der wiedererrichteten Lindenoper sowie in den Folgetagen mehrere Festkonzerte, u. a. mit Beethovens 9. Sinfonie und dem Geiger David Oistrach.

1958
Die Staatskapelle ist unter der Leitung Konwitschnys in Moskau und Leningrad zu Gast.

1959
Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle beginnen mit regelmäßig stattfindenden Kammerkonzerten im Apollosaal der Staatsoper.

1961
Nach dem Bau der Berliner Mauer sind die im Westteil der Stadt lebenden Orchestermitglieder gezwungen, ihre Tätigkeit an der Staatskapelle aufzugeben. Für die Kapelle bedeutet das einen schweren künstlerischen Aderlass, der erst nach und nach kompensiert werden kann.

1964
Der Österreicher Otmar Suitner wird zum Generalmusikdirektor berufen, bis 1990 wird er dieses Amt ausüben. Die Staatsoper steht unter der Intendanz von Hans Pischner, der mit seinem Team einen ausgewogenen Spielplan von Klassikern des Repertoires (vor allem Mozart, Wagner, Verdi und Strauss) und Zeitgenössischem (u. a. Werke von Dessau, Schostakowitsch, Penderecki) realisiert. Als Opern- wie als Konzertdirigent vermag sich Suitner zu profilieren, so dass die Staatskapelle neue Ausstrahlungskraft gewinnt.

1977
Die Staatskapelle Berlin ist unter der Leitung von Otmar Suitner erstmals in Japan zu Gast. Bis zur politischen Wende 1989/90 sollten mehrere Tourneen nach Fernost folgen.

1984
Im neueröffneten Schinkelschen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, das zum Konzerthaus umgebaut wurde, gibt die Staatskapelle ihr erstes Sinfoniekonzert. Bis 2017 wird das Orchester hier regelmäßig Sinfoniekonzerte veranstalten.

1989
Im September übergeben die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle der DDR-Regierung eine Resolution für eine »wahrhafte Demokratisierung unserer Gesellschaft«. Mit Otmar Suitner wird im Oktober eine letzte Gastspielreise unternommen, die an die Pariser Opéra Bastille führt. Im November veranstaltet die Staatskapelle in der Berliner Gethsemanekirche ein von Rolf Reuter dirigiertes »Konzert gegen Gewalt«.

1991
Daniel Barenboim wird Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper, Intendant ist Georg Quander. Am 30. Dezember gibt Daniel Barenboim sein erstes Konzert mit der Staatskapelle – auf dem Programm steht Beethovens 9. Sinfonie.

1992
Wagners »Parsifal« ist die erste Opernpremiere, die Daniel Barenboim im Haus Unter den Linden dirigiert. In den Konzerten beginnt eine systematische Erarbeitung der Sinfonien und Instrumentalkonzerte Beethovens.

1995
Mit Beethovens »Fidelio« sowie mehreren Beethoven-Konzerten gastieren die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim im Pariser Théâtre du Châtelet.

1996
Die jährlich zu Ostern stattfindenden FESTTAGE mit prominent besetzten Opern- und Konzertaufführungen werden von Daniel Barenboim ins Leben gerufen. Die erste zyklische Aufführung der neuen, ab 1993 erarbeiteten »Ring«-Produktion steht im Mittelpunkt.

1997
Die Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin wird gegründet, um jungen Absolventinnen und Absolventen der Musikhochschulen die Möglichkeit zu geben, in einem Spitzenorchester praktische Erfahrungen in Oper wie Konzert zu sammeln.

1999
Daniel Barenboim gründet gemeinsam mit Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra, das junge Musiker aus Israel, Palästina und den arabischen Ländern jeden Sommer zusammenführt. Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle Berlin beteiligen sich intensiv an diesem Projekt.

2000
Die Staatskapelle Berlin wird erstmals von der »Opernwelt« zum »Orchester des Jahres« gewählt. Große sinfonische Zyklen werden sowohl in Berlin als auch in internationalen Musikzentren (u. a. in Wien, London und New York) präsentiert.
Die Musiker der Staatskapelle wählen Daniel Barenboim zum »Dirigenten auf Lebenszeit«.
Die großen Sinfoniekonzerte finden künftig sowohl im Konzerthaus am Gendarmenmarkt als auch in der Philharmonie statt.

2002
An der Seite von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim leitet Peter Mussbach als Intendant die Staatsoper Unter den Linden. Die erfolgreiche doppelte zyklische Aufführung von Wagners zehn Hauptwerken sowie der vier Brahms-Sinfonien zu den FESTTAGEN ist eine besondere Herausforderung für die Staatsoper und die Staatskapelle.

2005
Mitglieder der Staatskapelle engagieren sich beim Aufbau eines Musikkindergartens in Berlin, einer Initiative von Daniel Barenboim.

2007
Die österlichen FESTTAGE bringen einen zehnteiligen Mahler-Zyklus mit allen Sinfonien sowie den Orchesterliedern, paritätisch von Pierre Boulez und Daniel Barenboim geleitet. Die Mahler-Werke werden in den kommenden Jahren auch im Wiener Musikverein sowie in der New Yorker Carnegie Hall gespielt werden. Zum ersten Mal gibt es »Staatsoper für alle« in Zusammenarbeit mit BMW Berlin, bestehend aus der Live-Übertragung einer Musiktheateraufführung aus dem Opernhaus sowie einem Oper-Air-Konzert der Staatskapelle auf dem Bebelplatz.

2009
Die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle rufen das »Orchester des Wandels« in Verbindung mit der »Stiftung NaturTon« ins Leben – mit regelmäßig stattfindenden Benefizkonzerten, die internationalen Umweltprojekten zugute kommen.

2010
Aufgrund der umfassenden Rekonstruktion des Hauses Unter den Linden ziehen Staatsoper und Staatskapelle in ihr Ausweichquartier, das Schiller Theater in Charlottenburg. Unter der Intendanz von Jürgen Flimm wird ein ambitionierter Spielplan entwickelt, der stärker als bislang Modernes und Zeitgenössisches mit einbezieht. Vereinzelt werden auch Sinfoniekonzerte im Schiller Theater gespielt.

2011
Mit einer Neuproduktion von »Wozzeck« beginnt die systematische Erarbeitung der Musiktheater- und Orchesterwerke von Alban Berg. Im Wiener Musikverein präsentieren Daniel Barenboim und die Staatskapelle einen Zyklus mit allen Sinfonien Anton Bruckners.

2013
Die neue »Ring«-Produktion, in Zusammenarbeit mit der Mailänder Scala seit 2010 im Entstehen begriffen, wird zu den FESTTAGEN erstmals zyklisch aufgeführt. Konzertant spielen die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim Wagners »Ring«-Tetralogie mit großer Resonanz auch bei den Londoner »Proms«.

2015
Die FESTTAGE bringen erneut eine »Hommage à Pierre Boulez« anlässlich des 90. Geburtstages des großen Komponisten und Vordenkers der Neuen Musik. Ein Alban-Berg-Zyklus versammelt Aufführungen der beiden Opern und des gesamten sinfonischen Werks im Schiller Theater und in der Philharmonie. Im Blick auf das 2020 anstehende 450. Jubiläum der Staatskapelle wird mit einer Symposionsreihe zur Geschichte des Orchesters begonnen.

2016
Die Staatskapelle und Daniel Barenboim präsentieren den neunteiligen Bruckner-Zyklus in der Suntory Hall in Tokio; im folgenden Jahr werden sie mit demselben Programm in die Carnegie Hall in New York zu Gast sein.

2017
Anlässlich der Einweihung des grundsanierten Opernhauses Unter den Linden ist die Staatskapelle bei der Eröffnungspremiere »Zum Augenblicke sagen: Verweile doch!« mit Schumanns »Szenen aus Goethes Faust« unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim sowie mit mehreren Konzerten, u. a. zum 275. Geburtstag der Staatsoper am 7. Dezember, beteiligt.

2018
Matthias Schulz wird neuer Intendant der Staatsoper Unter den Linden. Große Gastspielreisen führen die Staatskapelle Berlin nach Buenos Aires (mit Wagners »Tristan und Isolde« und Sinfoniekonzerten) sowie nach Peking und Sydney (u. a. mit den vier Brahms-Sinfonien).

2019
Das von Mentorinnen und Mentoren der Staatskapelle sowie von Lehrerinnen und Lehrern der Berliner Musikschulen betreute neue Opernkinderorchester gibt zu den FESTTAGEN sein Debütkonzert.

2020
Zum 450. Mal jährt sich die Ersterwähnung der Kurbrandenburgischen Hofkapelle, in deren direkter Kontinuität die Staatskapelle Berlin steht.

Im Jahr 2020 wird die Staatskapelle Berlin ein besonderes Jubiläum begehen: Vor dann genau 450 Jahren wurde die Kurbrandenburgische Hofkapelle, in deren geschichtlicher Kontinuität das heutige große Opern- und Sinfonieorchester steht, erstmals erwähnt. Seit 2015 wird die Historie des Ensembles im Rahmen einer interdisziplinären Symposionsreihe beleuchtet und diskutiert.