Gratulation

Professor Siegfried Kurz zum 90. Geburtstag

Um die musikalische Leitung von Professor Siegfried Kurz zu würdigen, hilft, seinen in vielen Lexika dokumentierten Werdegang oder die über Wikipedia einsehbaren Daten und Auflistungen zur Kenntnis zu nehmen. Allein schon die Tatsache, dass dem 19jährigen Studenten der Dresdner Akademie für Musik und Theater die Leitung Schauspielmusik am Dresdner Staatstheater übertragen wurde, lässt aufhorchen. Der 1930 in Dresden Geborene studierte hier Komposition bei Fidelio F. Finke, Dirigieren bei Ernst Hinze und Trompete in der Klasse von Eduard Seifert. Seine ersten veröffentlichten Kompositionen datieren von 1952. Neben zwei Sinfonien, Konzerten, Bühnenmusiken und Kammermusik ist es vor allem das Konzert für Trompete und Orchester, welches zur Standardliteratur avancierte und auch oft bei Wettbewerben und Probespielen zu hören ist. Als Kapellmeister der Dresdner Staatsoper gehörte Siegfried Kurz über zwei Jahrzehnte zu den wichtigsten Künstlern des Hauses. Er bewahrte die Tradition des Institutes und war auch in seiner kritischen Haltung tief in ihr verwurzelt. 1971 zum Generalmusikdirektor berufen, wurde er 1975 geschäftsführender Oberleiter der Dresdner Staatsoper. Sein Wechsel an die Berliner Staatsoper war für ihn wie für uns belebend und folgerichtig. Für einen so akribisch arbeitenden Erzieher und Gestalter gab es zu diesem Zeitpunkt hier an der Oper das effektivste Wirkungsfeld. Es begann mit »Pique Dame«, »Wozzeck«, Carl Maria von Webers »Euryanthe«, »Die Entführung aus dem Serail«, »Manon Lescaut« von Puccini, »Das Gastmahl oder Über die Liebe« von Georg Katzer. Über die sechs ausverkauften Aufführungen des »Wozzeck« im Teatro di San Carlo in Neapel spricht man noch heute.

Es folgte eine Konzerttournee mit der Berliner Staatskapelle nach Australien/ Neuseeland. Ein gutes, von künstlerischer Hochachtung geprägtes Einvernehmen bestimmte das Verhältnis zu unserem damaligen Chef Otmar Suitner. Man kannte sich schon aus den Dresdner Jahren. Die so wissenden und detailversessenen Einstudierungen von Siegfried Kurz haben in nicht geringem Maße dazu beigetragen, dass die Staatskapelle Berlin den neuen künstlerischen Anforderungen unter Daniel Barenboim entsprach. Was war ihm wichtig? »Erscht kummt dr Rhythmus – dann kummt ne Weile nischt« klingt es noch in meinen Ohren. Sein »Sächsisch« war die reine Freude für uns alle. Dynamik stand obenan, besonders das dynamische Abstufen des Orchesters sobald auf der Bühne gesungen wurde. Alles Dresdner Tugenden, die Prof. Siegfried Kurz auch seinen Studenten an der Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber Dresden« vermittelte. Dass die musikalische Leitung der offiziellen Staatsakte in der DDR seltener an Siegried Kurz vergeben wurde, ehrt ihn heute. Ihn umgab eine saubere Aura. Er war ein Unikat in seiner Art und ein großer Könner in seinem Fach. Wir lieben und verehren ihn noch heute und wünschen ihm gute Gesundheit und viele zufriedene glückliche Jahre!

Lothar Friedrich
Im Namen der Staatskapelle Berlin