Clark Tippet

CHOREOGRAPH

wurde 1955 in Parsons, Kansas, als das siebte von elf Kindern geboren und begann im Alter von fünf Jahren mit dem Tanzunterricht. Ein Stipendium ermöglichte es ihm, die professionelle Ballettausbildung in New York fortzusetzen, wo er im Alter von 11 Jahren in Thalia Maras National Academy of Ballet aufgenommen wurde. Nach seinem Abschluss 1972 wurde er an das American Ballet Theatre engagiert, wo er 1975 zum Solisten und nur ein Jahr später bereits zum Principal Dancer ernannt wurde. Für ihn hatte Twyla Tharp den zweiten männlichen Solopart in ihrem berühmten „Push Comes To Shove“ geschaffen, und Glen Tetley hatte ihm die Rolle des Ödipus in seinem Ballett „Sphinx“ auf den Leib choreographiert. Zu seinem klassischen Repertoire zählten Rollen wie Albrecht in „Giselle“, die Prinzenrollen in „Der Nussknacker“, „Dornröschen“ und „Schwanensee“ oder die Hauptrollen in Antony Tudors „The Leaves are Fading“ und Glen Tetleys „Voluntaries“.

1978 verließ er das American Ballet Theatre. Er gastierte beim Maryland Ballet, weitere Gast-Engagements führten ihn zur Bat-Dor Dance Company nach Israel und zum West Australian Ballet in Perth, wo er sich ein ansehnliches Repertoire erarbeitete und Choreographen wie Domy Reiter-Soffer, John Clifford oder John Butler Werke für ihn kreierten.

1982 kehrte Clark Tippet an das American Ballet Theatre zurück. Sein Talent, Rollen mit schauspielerischer Präsenz und fulminanter Technik zu interpretieren, sein Stilgefühl und sein Bühneninstinkt waren verbunden mit einer außerordentlichen Wandlungsfähigkeit, die ihn für Twyla Tharps witziges „Push Comes To Shove“ oder die Rolle des Brahmanen in „La Bayadère“ gleichermaßen qualifizierte. Sein Repertoire erweiterte sich schnell um den Ehemann in MacMillans „Anastasia“, den Tanzmeister in Mikhail Baryschnikows abendfüllendem „Cinderella“, die Carabosse in MacMillans „Dornröschen“ und viele weitere Partien von David Parsons, Jerome Robbins, Martine van Hamel oder David Gordon, die mit ihrer choreographischen Handschrift den Spielplan des ABT in den Achtzigerjahren prägten. Mikhail Baryschnikow, der während dieser Periode künstlerischer Leiter der New Yorker Compagnie gewesen ist, setzte großes Vertrauen in das kreative Potential Clark Tippets, und er war es, der ihn ermutigte, sich dem Choreographieren zu widmen.

Seine erste Choreographie „Enough Said“ entwickelte Clark Tippet 1986 im Rahmen einer New Yorker Workshop-Präsentation. 1987 choreographierte er für das Orange County Performing Arts Center im kalifornischen Costa Mesa das „Bruch Violin Concerto No 1“, das 1988 auch seine New Yorker Premiere an der Met erlebte. Es folgten „S.P.E.P.S.Q.S.A.“ (1988 für die New Yorker Met), „Rigaudon“ zu Benjamin Brittens „Simple Symphony for Strings“ op. 4 (1989 mit Tänzern des ABT in Miami Beach) und „Some Assembly Required“ (1989 für das Kennedy Center in Washingtin D.C.). Weitere Choreographien erarbeitete er für das Pacific Northwest Ballet in Seattle und das Kansas City Ballet. Clark Tippet starb 1992 in seiner Heimatstadt an AIDS.

Foto: Gregory Heisler