Antigona
Oper von Tommaso Traetta
Inszenierung
Vera Nemirova
Antigona
Veronica Cangemi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
VORWORT
Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
TRAGÖDIE MIT HAPPY END
René Jacobs erfüllt sich einen lang gehegten Wunsch: Er dirigiert Tommaso Traettas ANTIGONA
Schon lange habe ich den Wunsch, dieses Stück zu machen. Traettas ANTIGONA ist gewiss eine der interessantesten Opern der Zeit. Uraufgeführt 1772 am Hof der Zarin Katharina der Großen in St. Petersburg, ist das Werk eines der besten Beispiele für eine Reformoper aus dem Geist der Aufklärung. Der Süditaliener Tommaso Traetta hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Kunstform Oper neue Wege gegangen ist – hin zu einer wirklichen Darstellung der Menschen und ihrer Gefühle, weg von den barocken Archetypen und der barocken Emblematik. Ein »Fortschritt«, aber wie jeder Fortschritt auch mit Verlust verbunden…
Als studierter Altphilologe hat mich die Wirkungskraft des griechischen Theaters schon immer fasziniert. Traetta und sein Librettist Marco Coltellini haben sich sehr eng an Sophokles’ Tragödie gehalten – bis auf das Ende. Sie entschieden sich für einen optimistischen Schluss: Kreon, der Gegenspieler Antigonas, kommt zur Besinnung, bereut sein Urteil und vergibt den vermeintlichen Verbrechern – schließlich kann der Mensch sich auch aus eigenem Antrieb heraus bessern. Die Zarin, der die Oper gewidmet ist, scheint mit dieser Lösung jedenfalls ganz zufrieden gewesen zu sein.
Was Traettas Werk so interessant macht, ist neben der hohen Qualität des Textes die sehr expressive und abwechslungsreiche Musik. Alle fünf Protagonisten haben musikalisch reichhaltige, mitunter formal sehr fortschrittliche Arien und Orchesterrezitative zu singen, außerdem gibt es Ensembleszenen. Vor allem aber hat der Chor ungewöhnlich viel zu tun: Nach Art der griechischen Tragödie handelt er selbst, kommentiert aber manchmal auch die Handlung. Gerade in den Chören zeigt es sich, dass Traetta zu seiner Zeit ein ausgesprochen »moderner« Komponist gewesen ist, zum Teil sogar moderner als Gluck. Nur Mozart ist weiter gegangen, aber ANTIGONA kündigt bereits IDOMENEO an.